Weitere Erarbeitung des 5. Zentrums, des visuddha-chakras (Teil 2)

 

 

 

Was bedeutet die Körperfreiheit im Neuen Yogawillen nach Heinz Grill?

 

 

 

Der Begriff der Körperfreiheit ist ein wesentlicher Aspekt zur Entwicklung des 5. chakra und wurde ) bei den asana-Trainingstagen im Februar 2025 erarbeitet. Heinz Grill sagte (mit ähnlichen Worten), dass die Körperfreiheit entsteht, wenn ein Mensch sehr gut und solide in einem Fachgebiet gegründet ist bzw. sich gut in einem Fachgebiet auskennt. Er kann daher das Wissen flexibel, leicht und souverän anwenden und für andere verständlich zugänglich und erlebbar machen. Das Wissen ist bis in die Empfindung angekommen, sodass es durch den Menschen unmittelbar ausstrahlt. Da, wo man sich auskennt, ist man frei. Da, wo man sich nicht auskennt, ist man unfrei.

 

 

Als Beispiel war eine Referentin anwesend, bei der in der Ausführung der Kopf-Kniestellung die Freude der Aktivität unmittelbar ausstrahlte und auch in der körperlichen Umsetzung sichtbar wurde. Auch die Patienten, die sie als Psychotherapeutin behandelte, gaben das Feedback, dass sie die eigene Aktivität im Heilungsprozess als sehr wichtigen Stellenwert erfahren haben, die die Therapeutin sich im Sinne der tieferen Bedeutung, wie sie in der Kopf-Kniestellung von Heinz Grill beschrieben wird, erarbeitet hatte.

 

 

Körperfreiheit bedeutet demnach immer einen Bewusstseinsprozess, den der Mensch durchschreiten muss. Es ist sozusagen ein Ergebnis einer menschlichen Leistung oder eines Opfers, das der Mensch über einen längeren Zeitraum erbracht hat. D.h., durch die Hinwendung und Auseinandersetzung mit einer Sache, einem Fachgebiet oder auf die geistige Schulung bezogen, mit einem Fachgebiet der Spiritualität oder mit einem Wahrheitsgedanken, gründet der Mensch sich immer mehr in diesen Gedanken, sie kommen ihm näher, es entstehen daraus neue Empfindungen, Erfahrungen und Erkenntnisse.

 

 

Die bearbeiteten und bewegten Gedanken prägen immer mehr die Persönlichkeit, geben ihr ein Zentrum, einen souveränen Halt und Standpunkt. Sie verwandeln sich zu Wahrheitsempfindungen, sie individualisieren sich im Menschen und strahlen unmittelbar seelisch aus und prägen sogar immer mehr die Physiognomie des Menschen.

 

 

Heinz Grill erwähnte einmal in einer früheren Ausführung, dass ein Mensch in den Bergen eine andere Physiognomie als jemand im flachen Land ausprägt und auch die unterschiedlichen Berufe die Physiognomie unterschiedlich ausprägen. Wenn z.B. jemand eine asana erarbeitet, sie in ihrer Ausführung und ihrem Sinngehalt über einen längeren Zeitraum studiert und auch wiederholt praktiziert, wird sich dies sowohl in der Ausstrahlung als auch in der Physiognomie und Bewegung des Körpers immer mehr zeigen. Die Bewegung wird einmal gelingen oder immer mehr möglich und auch leichter und freier möglich. Auch wenn sie vielleicht körperlich nicht mehr möglich werden kann, so wird dennoch der innere Sinn zum Ausdruck kommen oder ausstrahlen.

 

 

Die ausdauernde Hinwendung über einen längeren Zeitraum und das Vertrauen, dass sich der Gedanke einmal verwirklichen wird, erscheinen für diesen Prozess notwendig, denn in den Nächten arbeitet nach den Angaben von Heinz Grill der persönliche Engel daran, den bearbeiteten Gedanken dem Menschen, der sich diesem hinwendet, näher zu bringen oder in eine Empfindung zu verwandeln. Der Engel kann jedoch nur arbeiten, wenn der Mensch das nötige Opfer der Hinwendung leistet, sonst hat er keinen Stoff, den er verwandeln könnte.

 

 

Die Körperfreiheit ist auf das Bewusstsein des Menschen bezogen und entspricht der Entwicklung des 5. Zentrums, des visuddha-chakra. Der Mensch wird freier, je mehr er sich mit einem Wahrheitsgedanken außerhalb von sich selbst oder frei von seiner Genetik auseinandersetzt und diesen nach seiner Bedeutung erforscht. Dies geschieht, weil der reine Wahrheitsgedanke von einem wirklichen spirituellen Lehrer frei von der Verhaftung an den Körper bzw. an die Welt ist und der Mensch sich nun durch seine eigene Aktivität und die Arbeit des Engels in diesem freien Gedanken selbst mit seinem Selbst (oder Ich) gründet. Wenn ihm dies gelingt, wird er durch die innewohnende Kraft des Gedankens, der ein sat, ein Sein, eine tatsächliche, geistige Realität ist, im Bewusstsein freier vom Körper.

 

 

Dieses Freier- oder Unabhängiger-Werden im Bewusstsein vom Körper kann erfahrungsgemäß verschiedene Grade erreichen, je nachdem, wie intensiv die Hinwendung zu einer Sache geleistet wird.

 

 

Nun gibt es weitere Gedanken von Heinz Grill zu dem Begriff der Körperfreiheit in seinem Buch „Die 7 Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren“, auf Seite 117. Hier erwähnt er zunächst, dass solch ein Begriff, wie die Körperfreiheit, allzu leicht wörtlich genommen wird und dennoch ist eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den körperlichen Bedürfnissen zu empfehlen. So schreibt er:“ Manche Yogins lassen sich während ihrer Meditation von lästigen Mückenstichen nicht aus dem Aktivsein werfen. Sie halten eisern an der Disziplin der Übung fest und nehmen die schmerzlichen Stiche zum Stählern des Körpers.“

 

 

Wie schon von ihm bekannt, sieht aber Heinz Grill auch in diesem Begriff der Körperfreiheit eine tiefere spirituelle Bedeutung enthalten. Die Körperfreiheit bezieht sich auf das Bewusstsein des Menschen, das fähig wird, frei von persönlichen subjektiven Gefühlen, Neigungen und Emotionen, auf sachliche Weise Vorstellungen zu bilden. Dieses Vorstellungsvermögen entsteht also nicht aus den normalen Reaktionen des Körpers oder der Genetik, sondern entwickelt sich aus der vom Körper freien Denktätigkeit. Das Denken und die daraus geformten Vorstellungen werden ganz aus dem sachlichen Thema gewonnen und entwickelt.

 

 

Er führt als Beispiel herein, dass jemand sagt, er glaube an eine höhere Wirklichkeit, da diese von verschiedenen esoterischen Lehren propagiert wird. Dies ist jedoch mehr eine Wortformel, eine passive übernommene Wahrheit oder Information und noch keine richtige Vorstellung. In Bezug zu dieser Frage des Glaubens an eine höhere Wirklichkeit muss der Mensch sich eine eigenständige, richtige Vorstellung dazu bilden, damit er frei wird von einer nur passiv übernommenen Wahrheit und die Gewissheit zu dieser Wirklichkeit einer Wahrheit in sich selbst erfährt.

 

 

Es ist deshalb wesentlich zu bemerken, dass zwischen einem passiven Übernehmen von Informationen und einer aktiven, selbständigen und logischen Vorstellungsbildung ein gewaltiger Unterschied besteht. Informationen kann man einfach passiv aufnehmen, „..während man wirkliche Vorstellungen kreativ und mit größtmöglicher Unterscheidungsbildung aktiv bilden lernen muss. Die Freiheit des Menschen entwickelt sich aus der Beweglichkeit und Unabhängigkeit des Bewusstseins.“ – so Heinz Grill auf Seite 117, in seinem Buch „Die sieben Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren“.

 

 

 

Weitere Gedanken zum 5. Zentrum:

 

Was bedeutet es im Yoga, dass ein gewisser innerer Kampf von verschiedenen Kräften im Menschen stattfindet und dies sich besonders in der Entwicklung des 5. Zentrums ausdrückt?

 

 

Aus der esoterischen oder spirituellen Forschung von Heinz Grill gibt es 2 Pole im Menschen, die um ihre Vorherrschaft oder Führung im Menschen kämpfen oder ringen.

 

 

Der eine Pol ist das Bewusstsein mit der Fähigkeit, auf bewusste Weise und möglichst unabhängig vom Körper und frei von Emotionen und willentlichen Zugriffen logische, klare und konkrete Gedanken und Vorstellungen zu denken und zu entfalten. Wenn dies möglich ist, so lenkt diese freie Bewusstseinskraft den Menschen.

 

 

Der 2. Pol ist der Körper, der nicht nur Materie ist, sondern verschiedene Kräfte in sich trägt oder in sich aufgespeichert hat, wie z.B. Emotionen, Gewohnheiten, Erfahrungen und Triebe, die ständig und auf unbewusste Weise und automatisch aus dem Körper (esoterisch genauer aus den Organen) in unser Bewusstsein hochsteigen und dieses lenken.

 

 

Der Mensch kann demnach sein Bewusstsein und sein Leben entweder mehr nach klaren Gedanken und Vorstellungen gestalten und lenken oder sein Bewusstsein mehr von den unbewusst und ganz von selbst den aus seinem Körper ausstrahlenden emotionalen und triebhaften Kräften leiten lassen.

 

 

Wer die Führung dieses Bewusstseins übernimmt, diese Entscheidung oder Fähigkeit hängt von der sogenannten Ich-Kraft oder Selbst-Kraft des Menschen ab. Ein hohes Ziel im Sinne des 5. Zentrums oder allgemein des Yoga-Weges ist es, dass das Ich die Führung im Sinne von klaren Gedanken übernimmt. Das Ich muss die Disziplin aufbringen, sich immer wieder über die aus dem Körper aufwallenden Impulse hinwegzusetzen und sein Denken und Handeln aus klaren Gedanken unabhängig vom Körper und der Gemütsverfassung entwickeln.

 

 

Wir haben also 2 Pole, die ständig miteinander und unvereinbar um ihre Vorherrschaft im Menschen kämpfen:

 

 

 

                                                                                                 Oberer Pol

 

Das Ich , das Selbst, der Geist mit klaren Gedanken, logischen,         konkreten Vorstellungen, universal gültigen Wahrheiten, spirituellen Gedanken, reine, freie Kräfte und Eigenschaften des Kosmos und des Geistes.                .

 

                                                                                                              .

 

                                                                                                              .

 

                                                                                                              ˅

 

                                                                                                              ˅

 

 

 

                                                               Das Bewusstsein, Denken, Fühlen, Wollen,

 

mit den verschiedenen Kräften des Kosmos , der „astralen Sphäre“ oder den Strahlkräften der 7 Hauptplaneten, Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn, über die 7 Chakren verbunden .

 

                                                                                                              ˄

 

                                                                                                              ˄

 

                                                                                                              .

 

                                                                                                              .

 

                                                                                                              .

 

Der Körper, mit aufgespeicherten Erfahrungen, Emotionen, Trieben, Gewohnheiten, Verhaltensmustern, Genetik, unbewussten Neigungen, gebundenen oder unfreien Strahlkräften und Eigenschaften aus dem Kosmos, mit emotionalem oder willentlich gefärbtem Denken

 

                                       Unterer Pol

 

 

 

Diesen ständigen inneren Kampf, der im Bewusstsein jedes Menschen stattfindet beschreibt Heinz Grill als „Der Entwicklungskampf in der astralen Sphäre um das Bewusstsein.“ ( Seite 121 „Die sieben Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren“)

 

Ich zitiere zwei Absätze dazu, da ich diese Gedanken als sehr wichtig empfinde:

 

„Die astrale Kampfbewegung, die übersinnliche kreative Werdekraft, die sich über dem Menschen äußert, lässt sich erklären, wenn man von der Tatsache ausgeht, dass es zwei große Pole gibt, die miteinander unvereinbar und sogar unerträglich sind. Das Bewusstsein ist in Wirklichkeit durch Vorstellungen und Gedankeninhalte gelenkt und bildet einen Pol während der Körper nicht nur ein physischer Körper gleich wie ein Stein oder ein Stück Materie ist, sondern ein lebenskräftiges und somit ebenfalls ausstrahlendes Wirken von sich gibt. Aus diesem lebenskräftigen Körper steigen die verschiedensten Impulse nach oben und stoßen nun an die Schwelle des Bewusstseins.

 

Der Übende bemerkt durch innehalten, wie dieses ständig aufsteigende, unruhige Lebensfließen das ganze Dasein lenkt und leitet. Durch Beobachtung, Ruhe und durch die Entwicklung von logischen und klaren Vorstellungen entmündigt der Übende dieses meist unbewusste und begehrensvolle Treiben aus dem Körper und errichtet ein klares Bewusstsein gegenüber diesem. In jenem Moment, in dem er diese Leistung mit Beobachtungen und klaren Vorstellungen erfolgreich bewältigt, wird es um seinen Halsbereich tatsächlich heller. Das Eingreifen des Bewusstseins durch klare Gedanken führt zu einer ersten lichten Bewegung im Kehlkopfzentrum.“

 

 

Dieses innere Kampffeld gibt es in jedem Menschen und es wartet darauf, entdeckt und bearbeitet zu werden. Denn dieses innere Kampffeld oder Ringen von verschiedenen Kräften ist häufig nicht bewusst und wird tragischerweise in Projektionen nach außen zu einem äußeren Feind und damit in kriegerische Auseinandersetzungen verlagert.

 

 

Schon vor tausenden Jahren wird dieser Kampf, das Kampffeld im Menschen, kurukshetra in der Bhagavad Gita , einer bedeutenden heiligen Schrift in Indien, beschrieben. Bhagavad Gita heißt übersetzt „der Gesang, das Lied Gottes“. Dieses Werk ist in Versform geschrieben und vor ca. 4 – 5 tausend Jahren in Indien entstanden und stammt aus einem Gesamtwerk, dem Mahabharata, einem Epos. Es ist eine gewisse Zusammenführung verschiedener Denkschulen in Indien und auch des Yoga. Sri Krishna, eine sogenannte göttliche Inkarnation (Avatar) unterweist mitten auf dem Schlachtfeld seinen Schüler Arjuna in die tiefen Wahrheiten und Weisheiten des Yoga.

 

 

Das gesamte Werk ist wie eine Einweihungsschrift zu verstehen und es ist ein Gleichnis für den Kampf, der in jedem Menschen auf geheimnisvolle Weise in seinem Inneren oder Bewusstsein stattfindet. Der Schüler bzw. Krieger Arjuna steht bildhaft für die einzelne Seele des Menschen allgemein und Sri Krishna steht bildhaft für das sogenannte höhere Selbst, das im Sinne eines hohen weisheitsvollen Gedankens oder einer universal-gültigen, höheren, geistigen Gesetzmäßigkeit gedacht werden kann.

 

 

Arjuna wird sich auf dem Schlachtfeld vor dem großen Kampf bewusst, gegen wen er da kämpfen muss. Es sind seine ehemaligen Freunde, Verwandten und geschätzten Lehrer, gegen die er kämpfen bzw. die er töten muss und es überkommt ihn ein großer Zweifel und eine übermannende Niedergeschlagenheit, wodurch er zu Boden sinkt und den Bogen fallen lässt und zu Krishna sagt, er könne nicht kämpfen. In seiner Verzweiflung bittet er diesen, ihn in die Geheimnisse des Yoga zu unterweisen und ihm zu sagen, was er tun soll .

 

 

Dies ist ein Bild dafür, dass in jedem Menschen ein Ringen bzw. ein Kampf von verschiedensten Kräften stattfindet, die Heinz Grill, (wie schon vorher beschrieben, es sei hier aber nochmals mit etwas anderen Worten wiederholt, da es so wichtig ist…) mit zwei unvereinbaren und unerträglichen Polen beschreibt:

 

auf der einen Seite existiert unser Körper und dieser ist nicht einfach nur Körper, sondern in ihm sind verschiedene Kräfte, wie Emotionen, Begierdenkräfte und allgemein unbewusste Kräfte aufgespeichert (auch Traumen, Projektionen, Introjektionen usw.) und diese steigen im Alltag ständig in unser Bewusstsein hoch und bestimmen zu einem großen Teil unser Denken, Fühlen und Handeln.

 

 

Der andere Pol ist mit dem Bewusstsein benannt, das fähig ist, auf bewusste und selbstentschiedene Weise einen klaren Gedanken zu fassen, diesen zu einer Vorstellung zu erweitern und mit Hilfe dieser Vorstellung eine bewusste Wahrnehmung zu einem Objekt zu leisten und auch aus der Vorstellung etwas Neues zu erschaffen, unabhängig von Emotionen und Wünschen, die aus dem Unbewussten des Körpers automatisch hochsteigen wollen.

 

 

Der Mensch selbst muss nun unentwegt darum ringen und es selbst entscheiden, welche Kräfte ihn im Leben führen. Gemäß dem Menschenbild, dass jeder Mensch sich weiterentwickeln will, ist das Ziel, dass der Mensch sein Leben nach weisheitsvollen Gedanken, Ideen und schließlich höheren Idealen ausrichtet und niedere Eigenschaften immer mehr überwindet.

 

 

In diesem Zusammenhang stellte Heinz Grill einmal die Frage bei der asana-Übungspraxis: „Wer führt wen? Führt der Körper das Bewusstsein oder führt das Bewusstsein den Körper? – Wenn es dem Menschen im Alltag, bei der Arbeit, in Begegnungen oder in einer Übung gelingt, zu einem Objekt klare und logische Vorstellungen und bewusste Wahrnehmungen zu entwickeln, weichen seine inneren Bindungen, Emotionen und Wünsche zu einem gewissen Grad zurück und der klare Gedanke bzw. das sogenannte Ich-Bewusstsein übernimmt die Führung und kann schöpferisch tätig werden und das Leben neu gestalten…